Outet man sich, auf der…

… Wiesn, beziehungsweise dem Oktoberfest in München gewesen zu sein, erntet man gelegentlich ähnliche Blicke, wie wenn man vom Urlaub auf Mallorca berichtet. Doch, wirklich, auch hier gibt es zwei Seiten. Geht man nachmittags auf die Wiesn, … doch ich bin weder zur Rechtfertigung, noch als Ratgeber angetreten. Eine Beschäftigung mit dem Entstehung des Oktoberfestes lohnt allemal (was im übrigen auch auch den Cannstatter Wasen zutrifft). Da wären die teilweise fast 100-jährigen Fahrgeschäfte und das Theater Schichtl, „seit 1869 die größte handgemachte Gaudi“ , das schon bei Karl Valentin erwähnt ist.

oder die Krinoline, die als einziges Karussell eine Live-Kapelle besitzt.

Am besten gefiel mir allerdings die OIDE WIESN. Hierher kommen die Besucher nicht, um in Billigstverleidung Saufwettbewerbe auszutragen, sondern in erster Linie junge bayrische Musik zu erleben, wie beispielsweise im HERZKASPERLZELT.

G. Rag & die Landlergschwister

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Programmheft mit Devotionalien

Tracht und Smartphone

Ja, aber jetzt ist schon alles rum. Weiterhin kann allerdings der Besuch im RUFFINI empfohlen werden: Gutes Essen, tolles Ambiente und allles für Wein-, Kuchen- und Tortenfreunde. Und am nächsten Tag noch die Besichtigung von LORA, einem genialen Münchner Radiosender.

Zeichnung: V. Onmir, Rabenkalenderrrückseite 26.9.2013

 

Wiesn oder Wasn?

Zeichnung: V. Onmir, Rabenkalenderrückseite 29.9.2012

In jeder SONNTAG AKTUELL darf sich ein Prominenter ein Bild aussuchen und dazu etwas schreiben. Am 30.9. war es Hermann Bausinger, der langjährige Leiter des Ludwig-Uhland-Instituts für Empirische Kulturwissenschaft in Tübingen, der uns ein Foto vom Oktoberfestumzug in Münschen präsentierte. Er schrieb:

„Oktoberfest! Dass die Zeitungsleser gerne einmal von Kriegen und Krisen auf heitere Bilder umschalten, ist nicht verwunderlich. Aber erstaunlich ist die Ausstrahlungs dieses regional geprägten Fests. Sie ist nicht neu, schon in den Anfängen des Tourismus zog bayrische Folklore die Reisenden an. Die Pflege von Brauch und Tracht wurde von Regierungsstellen gefördert zur „Hebung des Nationalgefühls“ – bayrisches Nationalgefühl. Im Ausland allerdings gilt die „uralte“, tatsächlich erst im 19. Jahrhundert entwickelte bayrische Tracht als typisch deutsch. Und in jüngster Zeit breitet sie sich als Mode tatsächlich überall aus. Zumindest das Dirndl dringt auch in Cannstatt, Köln und Berlin ein: Wird sie gar zur deutschen Nationaltracht? Man kann nur hoffen, dass Angela Merkel auch bei künftigen Staatsbesuchen darauf verzichtet.“

Jeder sollte sich so anziehen, wie er/sie will und dafür nicht schräg angesehen werden. Mode ist auch Zeichen der positiven Globalisierung und – bis auf religiös diktierte Mode – Ausdruck von Freiheit. AAAAaaaaaaaaber, dass jetzt jedes Weinfest, jeder Straßen- und Handelsverein und vor allem der Cannstatter Wasen im Prinzip das bayrische Dirndl und die bayrische Lederhose zur Pflicht machen, ist zum einen einfallslos, da nachgemacht, und zeugt zum andern von mangelndem Selbstbewusstsein.  Es scheint irgendwo tief im Schwaben der Inbegriff von Gemütlichkeit zu sein, sein Haus mit bayrischen Klischeebalkonen zu schmücken, Fan von Bayern München zu sein und zu festlichen Anlässen Tracht, bayrische Tracht zu tragen. Warum? Wo bleibt da das schwäbische Eigenbrödlerische, das sich in einem bisschen Stolz für Modetraditionen zeigt? Es gibt genügend Oigenes! Wo sind die schwäbischen Modedesigner, die alte Wäsche auf die Höhe der Zeit bringen. Wir können doch angeblich alles….. Wasen statt Wiesn!