Die Zielscheibe

oder Menzing malt Geschichte

Menzing hatte eine Jubiläumszielscheibe zum Vereinsjubiläum des örtlichen Schützenvereins zu gestalten…
…und produzierte nur Ausschuss, ohne allerdings zu wissen, warum. Obwohl ihm Vorlagen zur Verfügung standen, war der Boden inzwischen von Fehlversuchen übersät. Nach etlichen schlaflosen Nächten, die ihn an seiner gesamten beruflichen Arbeit zweifeln ließen, bescherte ihm die kommende Nacht einen erhellenden, ja geradezu zukunftsweisenden Traum:
Die Menschheit hatte das Zielen verlernt, und damit auch das Treffen. Eine als Waffenfabrik getarnte Pazifistenorganisation hatte den Anfang gemacht. Die Meldungen über nicht treffende Gewehre erschienen plötzlich in einem ganz neuen Licht und ihm war nun, von wem auch immer, die Aufgabe zugefallen, mit seinen vermeintlichen Ausschuss-Bildern – die Begrifflichkeit hätte ihn gleich stutzig werden lassen müssen: „Aus“ und „Schuss“ – eine Wende im der Entwicklung der Menschheitsgeschichte einzuleiten. Seine Kunst war der Beginn des Verlernens von Treffen und Zielen. Als nächster Schritt würde nun ein Tsunami von Merchanding-Artikeln mit der Symbolik des alten Denkens die Welt überschwemmen und eben dieses löschen. Vortrefflich!

© Helmut Bachschuster

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2 Responses to “Die Zielscheibe”

  1. uli sagt:

    Das Schlusswörtchen ist passgenau.

  2. Feine Geschichte!
    Allerdings wäre es fatal, wenn Menschen verlernen würden Ziele anzustreben. Das altgriechische Wort für Sündigen (hamartanein) bedeutete eigentlich „ein Ziel verfehlen“. Und ein Ziel ist in diesem Sinne stest selbst gewählt. Sünde bestünde so gesehen darin, dass man etwas, was man anstrebt, nicht erreicht. Dabei spielt es wohl keine Rolle, ob man unrealistische Ziele wählte, oder ob es einem nicht gelang, weil man sich nicht genügend darauf einließ (Die Kunst des Bogenschießens / Zen). Beides wäre eigenes Versagen.
    Sünde, wie man sie im Christlichen versteht, ist dagegen das nicht Einhalten von vorgegebenen Regeln. Also etwas ganz anderes. Wobei die Zehn Gebote des AT hervorragend sind, weil sie große Bereiche des Lebens abdecken und auch ohne religiösen Hintergrund das Zusammenleben erleichtern. Die Zusammenfassung im NT mit „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst“ ist genial, aber überfordert doch Manche. Wer z.B. Minderwertigkeitskomplexe hat, tut sich schwer mit der Eigenliebe und erst recht mit der des Nächsten.
    Und: Wer sich bemüht sein eigenes Leben selbst zu steuern, der braucht Ziele für die es sich lohnt anzustrengen. Vielleicht sind Schützenvereine und Schießen eine Art Ersatzhandlung?