Die Wahl auf schwäbisch

Neues aus Leimerstetten. Genau so wird es dann ab Montag laufen, unabhängig vom Wahlausgang. Und trotzdem sich da noch die B-Zeitung in letzter Sekunde mit unangekündigten 41 Millionen Freiexemplaren (sonst hätten’s wieder ein paar „Uneinsichtige“ abgelehnt!?) in dummdreistem Befehlston („Prost Wahlzeit! Ab ins Wahl-Lokal! Ran an die Urne Eintritt ist frei! Je mehr Prozent, desto besser! So jung wählen wir nie wieder zusammen! Auf einem Kreuz kann man nicht stehen! Wer nicht wählt, wird Wirt! (…)“) zum Bundesfeldwebel aufschwingt (und weiterhin auch von ernst zu nehmenden Politikern hofiert werden wird) oder Anzeigen mit Unterstützerunterschriften erscheinen (Was soll mir das sagen? Brauche ich dauernd von allen Seiten Besserwisser, die mir sagen, was ich tun soll? Nein!) oder Karikaturist (?) Klaus Stuttmann Wahlverweigerer zu undankbaren Diktatorensympathisanten stempelt, bestätigt nur, dass es gar nicht um Inhalte geht. Der Ton, Kritikern gegenüber wird immer rauer, zuletzt in der Sendung ZDF log in. Vor vielen Jahren kam ein Dokumentarspielfilm, der von einem Szenario ausging, dass sich bei den ersten Hochrechnungen herausstellte, dass nur fünf Prozent der Wahlberechtigten zur Wahl gegangen waren und nun versucht wird, diesen Ausgang zu vertuschen. Immerhin, und das ist bedenklich, aber Realität, ist die Zahl der Nichtwähler kontinuierlich gestiegen, sicherlich auch ein Ausdruck von Politikverdrossenheit. Ein gutes Wahlversprechen wäre für mich, ernst zu nehmende Schritte zu unternehmen, die Ursachen für Wahlverweigerung anzugehen, nicht die Nichtwähler zu verunglimpfen. Das hieße für Politiker, laut nachzudenken, wie Demokratie weiterentwickelt werden muss. Und das ist nicht damit getan, zur Wahl irgendeiner Partei aufzurufen, die sich für Volksabstimmung einsetzt. Nützt das alles nichts, hilft vielleicht Bert Brechts Gedicht Die Lösung weiter:

 

„Die Lösung

Nach dem Aufstand des 17. Juni

Ließ der Sekretär des Schriftstellerverbands

In der Stalinallee Flugblätter verteilen

Auf denen zu lesen war, daß das Volk

Das Vertrauen der Regierung verscherzt habe

Und es nur durch verdoppelte Arbeit

zurückerobern könne. Wäre es da

Nicht doch einfacher, die Regierung

Löste das Volk auf und

Wählte ein anderes?“

 

 

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