„Ich möchte was drum geben, …

… genau zu wissen, für wen eigentlich die Taten getan worden sind, von denen man öffentlich sagt, sie wären für das Vaterland getan worden.“

Georg Christoph Lichtenberg in Rabenkalender 7.10. 2017

Zeichnung: V. Onmir, Rabenkalenderrückseite 7.10. 2017

So sehr sich Böttinger bemühte, den Vergleich in der Vernissagerede zwischen Lichtenberg-Text und Bild (siehe oben) zur Deckung zu bringen, es misslang gründlich. Und das nicht zum ersten Mal. Trotzdem fühlte er sich mit all den anderen Besuchern verbunden, die ebenfalls heimlich bei sich dachten, nichts und überhaupt gar nichts verstanden zu haben.

jetzt ganz neu: die vernissage im netz …

… zugegebenermaßen ist die idee vielleicht nicht ganz neu, aber zumindest hier auf kulturprodakschn.blog. In unregelmäßigen abständen werde ich ein paar klein-kunst-objekte präsentieren, gerne auch von kolleginnen und kollegen. heute „erinnerungen“

H. Bachschuster 2015 – 2017

statt einer rede:

getränke und knabbereien gibts allerdings nicht, sorry!

 

seven O – Vernissage zur ersten….

… Internetausstellung. V. Onmir, ist anwesend.

Mit SHOPPING AUF TORCHON, OSTEREIERNNEST MIT GOOGLE EARTH und OHNE TITEL stellt uns der Künstler drei Bilder in Netz, die uns gefangen nehmen. Die konsequente Umsetzung des Titels SEVEN O (nicht zu verwechseln mit NULL) liegt mit 3 O in SHOPPING AUF TORCHON auf einer Linie mit 3 O in OSTEREIERNEST MIT GOOGLE EARTH, um dann im dritten Bild OHNE TITEL allerdings auf 1 O abzufallen. Zugegebenermaßen lässt sich in den Titel von SHOPPING durchaus pekuniäres Interesse hineinlesen oder zumindest der zarte Wink in Richtung Herrenausstatter, doch Stoffe aus dem Alltag zu verwenden, wohingegen sich V. Onmir bei OSTEREIERNEST in die Rolle des Überfliegers und Naturwissenschaftlers begibt, quasi des Terra-X-Journalisten, der uns auf eine Expedition mitnimmt und an der Entdeckung von gigantischen Ostereierlagerstätten teilhaben lässt, ohne uns allerdings die genauen Koordinaten zu verraten. Zuletzt weist uns V. Onmir mit OHNE TITEL sehr direkt darauf hin, dass er eine nähere Erklärung dieses Werkes nicht zu wünschen scheint. (Punkt) Die Ausstellung ist eröffnet, Fragen und Kommentare an den Künstler sind durchaus erwünscht. Mit Sekt, Orangensaft und Fingerfood versorgen Sie sich bitte selbst. Das ist der Vorteil bei digitalen Vernissagen: Sie kennen Ihren Geschmack am besten und wissen, wo sich Ihre Vorräte befinden und werden nicht wie bei analogen Ausstellungseröffnungen kulinarisch gegängelt.

V. Onmir SHOPPING AUF TORCHON, 25.3.2013. Rabenkalenderrückseite

V. Onmir, OSTEREIERNEST MIT GOOGLEEARTH, 27.3.2013, Rabenkalenderrückseite

V. Onmir, OHNE TITEL, 30.3.2013, Rabenkalenderrückseite

 

Natürlich…

…darf der aktuelle Wunsch zum Neuen Jahr – quasi die Botschaft – trotz der bereits schriftlich ergangenen Wunschkarte zu allen Feiertagsvarianten von Heiligabend bis Neujahr an dieser Stelle nicht fehlen. Beim Urpfullinger liest sich das so: „A guds Neis ond an gsonda Leib!“ Die korrekte Antwort darauf lautet: „Grad soviel!“ Ich verzichte aber auf einen Jahresrückblick und die damit verbundenen Schlussfolgerungen und verweise auf umfangreiche journalistische Arbeiten in den Zeitungen, Magazinen und im Fernsäh. Trotzdem muss ein ordentlicher Schluss unters Jahr Zwanzigzehn gezogen werden. Eine treue Leserin und regelmäßige Kommentatorin schreibt:

„Ich wünsche herzlichst ein helles und leichtes, frisches, neues Jahr. Der Wunsch hat nur einen kleinen Haken (der doch so stark ist, dass er am Taschenmesser sichtbar geworden ist) nämlich jener, dass ich erst mit dem alten Jahr gut abschließen kann, wenn ich die Lösung vom 14.12. weiß. Um eine Antwort flehend hier mein Vorschlag, wohl wissend, dass völlig daneben: Klerbein sammelte (sogar im Hühnerstall) gesagte und ungesagte Sätze auf deutlich sprechenden Gesichtern.
Bitte um Erlösung.“

Mir gefällt dieser Titel. Es ist wie auf einer Vernissage, wenn man als ausstellender Künstler dank der Ausführungen des Redners endlich einen Einblick in die Inhalte der eigenen Bilder erhält. Ja, ich will da jetzt noch ein bisschen hochtrabend werden: Wir haben es hier mit einem Demokratiemodell zu tun, bei welchem im Dialog (es können durchaus mehr als  zwei (dia) sein) Lösungen, Vorschläge, Fachwissen eingebracht werden. Natürlich denke ich hierbei an die Auseinandersetzung um die Zerstörung (auch) meines Stuttgarter Hauptbahnhofs! Zurück zu „Klerbein…“: Ich hatte von vorneherein zu dieser Arbeit gesagt, dass selbst mir eine Deutung schwer fällt. Nun nicht mehr. Wenn das mal kein gelungener Start ins neue Jahr ist!