„Alle 10 000 Jahre ein Störfall“…

… hieß es von Seiten der Atomkraftlobbyisten in den Achzigern. Dann ereignete sich 1986 die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Lange, sehr lange hielt sich in Reutlingen ein Graffito, das erst im Zuge von Neubaumaßnahmen (zu früh, wie wir jetzt sehen) verschwand:

ALLE 10 000 JAHRE EIN STÖRFALL –

WIE DOCH DIE ZEIT VERGEHT!

Ich stehe nach wie vor unter dem Eindruck der Katastrophenbilder, deren Realität man eigentlich gar nicht glauben will: Eine Flut schwimmender und brennender Städte wälzt Häuser, Schiffe und Unmengen von Autos unter Brücken hindurch und über jedes Hindernis hinweg. Was mir dagegen wieder sehr bekannt vorkommt, ist eine „Informationspolitik in kleinen Scheibchen“: Immer erst Tatsachen zugeben, wenn es gar nicht mehr anders geht. Eine sehr kritisch nachfragende Marietta Slomka präsentierte uns gestern einen grandios schwafelnden Bundesumweltminister Norbert Röttgen, der mit vielen Worten NICHTS sagte und sich so über seine Interviewzeit rettete. Tatsächlich wieder einmal fest zu stellen: Erst muss etwas passieren. Und ganz so nassforsch wie in den ersten Stellungnahmen („Nicht zu vergleichen!“) geben sich die Atomstrombefürworter inzwischen nicht mehr. Wie wäre es denn, eben diese Klientel mit dem THW nach Japan zu schicken, um Vorort-Hilfe zu leisten? Fukushima wird wie Tschernobyl als Begrifflichkeit bleiben, die hoffentlich endlich eine Umkehr in der Atompolitik in Gang setzt. Gerade diejenigen unter den Politikern, die sonst immer und alles parteipolitisch ausschlachten, warnen jetzt scheinheilig eben davor. Und noch eins: Ich gehe dieses Mal (nicht nur aus diesem Grund) wieder wählen. Abwählen!

Nachtrag: Gerne verweise ich auf den Link von DrNi zur „Liste meldepflichtiger Ereignisse in deutschen kerntechnischen Anlagen“ (siehe Kommentar). Außerdem ein schöner Film zur Menschenkette am gestrigen Samstag von Neckarwestheim nach Stuttgart.

Ein Gedanke zu „„Alle 10 000 Jahre ein Störfall“…

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