Der Durchläufer

Erfahrene Fernsähgugger wissen: Läuft eine mehr oder weniger unbekannte Person relativ schnell, ziellos und unmotiviert durchs Bild, haben wir es mit dem sogenannten „Durchläufer“ zu tun (resp. Durchläuferin). Habe ich also als Nachrichtenzuschauer einen Menschen als „Durchläufer“ erkannt, kann ich mir sicher sein: Jetzt kommt ein Schnitt und der „Durchläufer“ äußert sich zu irgendeinem Thema ins Mikrofon. Warum nicht gleich, warum muss der „Durchläufer“ zuerst durchgelaufen sein? Ich als Zuschauer würde, ohne optisch, und damit seelisch, auf das Interview mit Hilfe des „Durchläufers“ vorbereitet zu werden, möglicherweise erschrecken und mich während des schon begonnenen Gesprächs so sehr mit der Frage beschäftigen: „Wer ist das denn nu?“, sodass ich den Inhalt nicht oder zu spät mitbekomme. Wohl aus dem selben Grund wird mir auf allen SWR-Radiosendern auch laufend erklärt, dass  ich den besten Sender höre, die besten Oldies, was gehört gehört – gebetsmühlenhaft. Zum Glück gibt es auch Sender, die mich weder für zu blöd oder zu vergesslich halten. Zum Beispiel – ach was, ich muss doch hier nicht missionieren! Was haben wir früher über die „altmodischen Senioren SWR4-Hörer“ gelacht. Inzwischen merken viele der ehemals so coolen SWR1 oder SWR3-Hörer gar nicht mehr, dass sie die Versuchskaninchen sind, an denen man Hörfunk für Demenzkranke ausprobiert.

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2 Responses to “Der Durchläufer”

  1. DrNI sagt:

    Deswegen empfehle ich die Wüste Welle, da bleibt einem nichts erspart, da werden die Gehirnzellen geputzt, die sozialen Fähigkeiten (Toleranz, etc) wie ein Muskel trainiert… und Gebetsmühlen gibt es auch keine. Und ab und zu gibt es auch noch gute Musik, die man nie wo anders gehört hätte.

  2. Bachschuster sagt:

    Da werd‘ ich doch gleich mal reinhören!