LenkMal (nicht mehr) in Stuttgart. Ein Kommentar von Doris Zilger

Doris Zilger hat Ihnen eine neue Nachricht zu dieser Petition „Das Kunstwerk „S21 – Das Denkmal“ von Peter Lenk soll in Stuttgart bleiben!“ geschickt:


Meinung 18. Juni 2021, 14:02 Uhr

Trojanisches Pferd am Neckar: Peter Lenk wollte den Stuttgartern sein … | SÜDKURIER Online
Uli Fricker

Wenn die Menschheit doch nur auf ihre Propheten, Prognostiker und Seherinnen hören würde! Das Ignorieren dieser Experten kommt später alle teuer zu stehen. Die Geschichte des antiken Poseidon-Priesters Laokoon zeigt dies: Der Mann traute den Griechen nicht, als diese nach dem Kampf um Troja plötzlich so taten, als würden sie abziehen und bereits ihr Lager räumten. Sie hätten genug vom Kampf, jammerten Odysseus und andere Fürsten. Sie wollten zu Frau und Kind, die zu Hause warteten (oder auch nicht). Zum Zeichen des Rückzugs hinterließen die Griechen den Trojanern ein Geschenk: ein hölzernes Pferd.

Nun kommt der gute Laokoon ins Spiel. Er traute den Aktivitäten der Feinde nicht und wollte seine Landsleute warnen. Doch blieb ihm das Wort im Hals stecken, als ihn Schlangen überfielen und ihn samt seinen Söhnen erwürgten. Laokoon ist seitdem Mythos, ebenso wie die kluge Kassandra. Beide wurden zu Spinnern und Spaßbremsen gestempelt. Dabei hatten sie nur eine faktengestützte Prognose abgegeben.
Ein Detail: Auch der ehemalige Oberbürgermeister Manfred Rommel ist plastisch darstellt. Er war einer der ersten Befürworter des Tiefbahnhofs.

Die Erzählung von Trojas Fall glänzt im Licht der Gegenwart. Peter Lenk greift das Motiv in seiner ausladenden Skulptur geschickt auf, die er den Stuttgartern vorbei brachte. Aber die tapferen Schwaben wittern ein falsches Präsent dahinter, eines, das sie dem Spott ausliefert. Also weisen sie die Gabe mit Gründen ab, die fadenscheinig sind.

In der Hauptfigur des Lenk‘schen Laokoon erkennt man den Ministerpräsidenten, der statt Schlangen mit ICE-Zügen ringt. Immer mehr wird der Winfried-Laokoon zum Sinnbild für die Irrwege von Kunst im öffentlichen Raum. Peter Lenk selbst ist ein Laokoon, der mit Widerständen ringt, um sein Werk zu behaupten. Bei Kunst ist es so: Alle wollen und nur wenige können mitreden. Das Aufstellen eines Kunstwerkes ist heute so kompliziert wie der Aufbau eines Windrads, und das will etwas heißen.
Die Welt in hellem Aufruhr: Der Schwäbische Laokoon fängt auch die Kundgebungen gegen das Projekt S 21 ein – bis zum Einsatz von Wasserwerfern.
Seit drei Jahrzehnten belagert und belauert der Bildhauer die kommunalen Festungen, um seine Trojanischen Kunstpferde in die Städte zu schleppen. Dafür hat er sich ein wirksames Verfahren ausgedacht: Er stellt seine Werke erst einmal hin. Auf Probe, wie er versichert. Das Auge des braven Bürgers soll langsam daran gewöhnt werden. Schnell entwickelt das Werk seine eigene Dynamik, es wird fotografiert, vermessen, diskutiert. Die mediale Maschine kommt auf Touren und läuft heiß. Man spricht darüber. Im Rathaus wacht jemand auf: War da was?
Das ist kein Lehrling, den man zum Bierholen schickt

Oh je, das Ding ist ja hochpolitisch! Die Stuttgarter Politik kommt in der Lenk-Komödie nicht gut weg. Also soll es wieder abgeräumt werden. Doch ist Peter Lenk kein Lehrling, den man zum Bierholen schickt. Er sammelt Bürger um sich. Der Oberbürgermeister sitzt jetzt in der Patsche, natürlich sei er für Modernes aufgeschlossen, sagt er. Die Stadträte finden sich in der Rolle der Spielverderber wieder. Sie wollen keinen Trojaner am Neckar.
Das ist der Skulpturen-Garten in Bodman, der Peter Lenk gehört. Dort soll der Schwäbische Laokoon nun Platz finden.
Das ist der Skulpturen-Garten in Bodman, der Peter Lenk gehört. Dort soll der Schwäbische Laokoon nun Platz finden. | Bild: Angelika Wohlfrom

Peter Lenk hat mit dieser Methode der subversiven Überrumpelung immer wieder die Sympathien erobert. Wer jetzt nicht mitlacht, gilt als Spießer. Darin liegt die Verführungstalent des einmaligen Zeitgenossen.
Kultur, die nix kostet?

In Stuttgart hat es nichts geholfen. Ein Kunstwerk, das nix kostet? Dem trauen die Stadträte und schicken den Laokoon zurück an den Bodensee. Sie werden es noch bereuen.

Doris Zilger

(Mit Genehmigung von Doris Zilger). Siehe auch hier und hier

Raus!

Zum Beispiel ins Remstal. Noch gibt es buntes Weinlaub. Der Blick nach Stuttgart zeigt Inversionswetterlage.

Oputien an Weinberghäuschen. Sie sind hart und überleben auch Kälte und Schnee.

 

Ach ja, gefunden in SCHÖNER SÜDWESTEN. Ausgangspunkt ist Stümpfelbach.

 

Durch Wald und Wengert

 

Das historische Schützenhüttle. Unterstand und Aussichtplattform für den Feldschütz.

 

Schmetterling: Der Admiral

 

Blick in Richtung Kernen und Kappelberg

 

Verwahrloster Weinberg – nicht erst aktuell. Welche tragische Geschichte steckt dahinter?

 

Die letzten Farbspiele

 

Und wenn ich schon in der Nähe bin, schaue ich noch das Lenk-Denkmal zu Stuttgart 21 an.

Fasten…

seat belt! Flugreisende kennen die Aufforderung zum Fasten. Fast alle fasten irgendwie. Der Verzicht auf Rauchwaren, Fleisch und Süßes ist hinlänglich bekannt. Relativ modern sind Fahrzeug- und Telefonverzicht. Doch es gibt auch viele anonyme Fasterinnen und Faster. Manche Menschen verzichten auf den Verzehr von Wettersendungen. Man erkennt sie daran, dass sie, völlig im Widerspruch zur jeweiligen Witterung, zu wenig oder zu viel angezogen auf den Straßen herumirren. Auch scheinen viele Autofahrer sich nicht zum Verzicht des Wagens entschließen zu können, dafür aber aufs Blinken zu verzichten. Ich könnte mir den neuen Beruf des Verzicht- und Fastenempfehlers (VERZAPF – an einer glücklicheren Abkürzung wird noch gearbeitet) vorstellen und zu allererst Kommentarfasten empfehlen, indem kleine Bausteine der Vorüberlegung und des Darüber-Schlafens vor die sprachlichen Absonderung eingeschoben werden. Mathias Sammer, Bundespräsident Gauck (Nichtwählerschelte) oder Sibylle Lewitscharoff könnten davon profitieren¹, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Als nächste Berufsgruppe würde ich Sportkommentatoren mit einem Frageheilfasten beglücken, das sich in einem absoluten Verzicht von Fragen an Sportler vor, während und nach Wettkämpfen konkretisieren könnte, verbunden mit einer fastenbegleitenden Nachhilfe in Fragestellungen in der deutschen Sprache. In diesem Sinne empfehle ich das das ultimative Fastenessen: FAST FOOD und verbleibe mit einem asketischen HEIL FASTEN!

¹ 12.3.2014. Ich ergänze: Winfried Hermann, der mit dem Gegenteil (Schweigefasten) das gleiche Ergebnis erzielt.

Erstaunliche Nachrichten

Gaddafi tritt zurück und gründet zusammen mit Mubarak, Kim Jong Il, Ahmadinejad, Ben Ali und einem weiteren, noch nicht genannten Personenkreis ein sogenanntes BAD COUNTRY als Heimstätte ausgemusterter Diktatoren und deren Anhang. Der Ort ist noch nicht bekannt gegeben worden.

Die Katastrophen AKWs in Fukushima sind über Nacht rückstandsfrei zerbröselt. Die Kraftwerksbetreiber und die Sprecher der japanischen Regierung stehen vor einem Rätsel.

Bundesaußenminister Westerwelle tritt zurück und will sich zuerst um die noch übrig gebliebenen Wahlplakate in Baden-Württemberg kümmern. Westerwelle: „Was soll der Bürger denken?“

Alle bundesdeutschen AKWs werden bis Mitte 2012 unwiederbringlich abgeschaltet. Kanzlerin nennt die Entwicklung:  „Alternativlos“. Eine Umstellung auf regenerative Energie wird beschlossen. Zu diesem Zweck werden die Energiekonzerne verstaatlicht.

Die Bahn zieht sich nach Gesprächen mit der Stadt Stuttgart, der neuen baden-württembergischen Landesregierung, sowie Vertretern der Bürgerbewegung aus dem Projekt Stuttgart 21 zurück und will gleichzeitig in die Zukunftsfähigkeit des Kopfbahnhofs investieren. Der abgerissene Nordflügel wird neu gebaut und soll das MUSEUM FÜR BÜRGERWIDERSTAND beherbergen. Mappus und Schuster wollen – als ein Zeichen der Wiedergutmachung –  hierfür eine Stiftung ins Leben rufen.

Die deutschen Automobilkonzerne haben sich auf einen Ausstieg aus der CO2 produzierenden Automobilproduktion verständigt. Ab 2013 sollen nur noch emissionsfreie Fahrzeuge gebaut werden.

Genfreie Lebensmittelherstellung, regionale ökologische Landwirtschaft sollen zügig Standard werden. Slowfood stellt auf allen politischen Ebenen Berater und findet Einzug in die Lehrpläne.

April, April! Aber Träume hätte ich noch genügend gehabt.

Wer sich die geplanten Stuttgarter Haupt-

bahnhofsreste des Paul-Bonatz-Baues nicht vorstellen  kann, dem sei – und nicht nur deshalb! – ein Besuch des großartigen Auto- und Spielzeugmuseums BOXENSTOP in Tübingen empfohlen. Hier entdeckt man den Bahnhof gleich mehrfach, zurechtgestutzt für eine Modelleisenbahneinlage, und dafür kann ich auch Verständnis aufbringen. Aber auch nur dafür. Anscheinend haben die S21-Planer sich die Ideen hier abgeschaut. Plagiat, wohin man auch blickt.Und außerdem, was machen die Modelleisenbahnbauer in Zukunft, wenn die Bahnen Stück um Stück vergraben werden?

Südflügel (rechts des Turmes), Nordflügel (gegenüber) fehlen

Außerdem kann man das wohl teuerste Krokodil bewundern: aus Platin, vergoldet und mit Rücklichtern aus Rubinen versehen. Keine 100 Stück wurden anlässlich des Milleniums zum Stückpreis von 72 000 DM (38 000 Euro) gebaut.